Didaktische Grundsätze

Es hat sich herausgestellt, dass sich Fähigkeiten in einem Bereich erst vollständig manifestieren, wenn auch Fähigkeiten in vielen anderen Bereichen des Lebens entwickelt werden. Junge Menschen erobern Gipfel, wenn ihnen noch nicht eingeredet wurde, dass diese Gipfel unerreichbar sind. Es ist unsere Auffassung, dass Fähigkeiten in einem Tätigkeitsbereich sich aus Fähigkeiten in anderen Bereichen zusammensetzen. Wahres Talent ist ein ganzes Netzwerk von verschiedenen Gaben. Das bedeutet, dass die Entwicklung eines Satzes von Fähigkeit sich beschleunigt, wenn alle diese Fähigkeiten zusammen in Bewegung gesetzt werden. Auch um einen Spezialisten hervorzubringen, muss man folglich zuerst einmal einen ganzheitlichen Menschen hervorbringen – den Menschen als ein einheitliches Ganzes». (Michail Petrovitsch Schetinin)

Die ILS lädt die Kinder dazu ein, ihre Neugierde und ihre Gestaltungslust weiter zu entfalten. In diesem stetigen Lernprozess gehen die Lehrpersonen als Vorbilder voran. Unsere Aufgabe besteht darin, jedes Kind in seinem Entwicklungsprozess zu begleiten. Gemeinsam mit dem Kind suchen wir nach Aufgaben, an denen es wachsen kann. Dabei berücksichtigen wir seinen Entwicklungsstand und die persönlichen Interessen.

Die Kinder haben die Möglichkeit, sich drinnen und draussen ihrem Lernen zu widmen. Es stehen verschiedene Lernmaterialen zur Verfügung. Je nach Bedarf werden Fachpersonen beigezogen oder es werden Exkursionen durchgeführt.

In unserer Gesellschaft ist vernetztes Denken zentral. Es gibt kaum ein Wissensgebiet, das für sich isoliert vorkommt. Kompetenzen werden jeweils im Kontext erarbeitet und können nicht von der Thematik losgelöst trainiert werden. Aus dem freien Spiel, gezielten Fragen oder Bedürfnissen der Kinder entstehen Lerninhalte.

Die Gemeinschaft ist für uns von grosser Bedeutung. Der familiäre Rahmen gibt den Kindern die nötige Geborgenheit und Sicherheit, sich zu entfalten.

Deshalb ist der Kreis als Treffpunkt der Gruppe für uns sehr wichtig. Tagesbeginn und Abschluss finden im Kreis statt. Es wird orientiert, reflektiert, besprochen, erzählt, gespielt, musiziert, präsentiert, geplant und gelacht.

Das Lernen an der ISL erfolgt nicht ausschliesslich selbstreguliert. Pauken ist nicht immer falsch – die Wiederholung verbessert die Lerntiefe.

Der Unterricht an der ISL berücksichtigt aktuelle Studien der neurobiologischen Hirnforschung und die Prinzipien für Lernprozesse nach Margret Arnold.

Aktuelle Studien der neurobiologischen Hirnforschung haben zusammengefasst folgende Ergebnisse ergeben:

  1. Jedes Gehirn ist ein Unikat, daher unterschiedliche Wahrnehmung gleicher Unterrichtsstunde mit gleicher Lehrkraft.
  2. Die enorme Leistungsfähigkeit des kindlichen Gehirns ist kaum zu überfordern, aber es besteht die Gefahr der Demotivation (langweiliges Pauken, ständige Misserfolge, destruktive und inkonsequente Kritik, Strafen, Demütigung).
  3. Wissen kann nicht übertragen, sondern nur im Gehirn des Lernenden erzeugt werden.
  4. Wissensaneignung beruht auf Rahmenbedingungen und wird durch Faktoren gesteuert, die unbewusst ablaufen und (schwer) beeinflussbar sind.

 

Zwölf Prinzipien für Lernprozesse nach Margret Arnold

  1. Lernende müssen die Möglichkeit haben, konkrete Erfahrungen zu machen.
  2. Lernprozesse eingebunden in soziale Situationen sind effektiver.
  3. Lernprozesse sind effektiver, wenn Interessen/Ideen der Lernenden berücksichtigt sind.
  4. Lernen ist effektiver, wenn das vorhandene Vorwissen mobilisiert wird.
  5. Lernen ist effektiver, wenn positive Emotionen in das Lernen eingebunden werden.
  6. Lernende prägen sich Details besser ein, wenn Sie den Zusammenhang mit einem Ganzen verstehen.
  7. Mit der entsprechenden Lernumgebung wird das Lernen intensiver.
  8. Lernen wird verbessert, wenn Zeit zum Reflektieren bleibt.
  9. Es wird besser gelernt, wenn Lernende Informationen und Erfahrungen miteinander verbinden können.
  10. Lernprozesse sind effektiver, wenn auf individuelle Unterschiede der Lernenden eingegangen wird.
  11. Lernende lernen besser mit einer unterstützenden, motivierenden, herausfordernden Umgebung.
  12. Lernen ist effektiver, wenn Talente und individuelle Kompetenzen berücksichtigt werden.

Die Neurobiologie des Lernens hat Folgendes belegen können: Das Gehirn ist ein hoch komplexes System, in dem es diverse Untersysteme gibt, die beim Lernen miteinander durch synaptische Verknüpfungen interagieren. Lernen bedeutet für das Gehirn, neue Verknüpfungen zu bilden und Wiederholung bedeutet, sie zu festigen und effektiver zu nutzen. Bei allem, was mit Handeln zu tun hat, spielt das Bewertungssystem des Gehirns eine entscheidende Rolle. Die Strukturen des Limbischen Systems färben Wahrnehmungen oder auch Lernaktivitäten emotional ein, woraus entweder ein allgemeines Gefühl der Lust oder Unlust entsteht. Ein geschickter Lerner wird daher versuchen, das Lernen positiv zu konnotieren, sodass Lernen einfach Spaß macht. Das dauert zwar einige Zeit, zahlt sich aber letztlich durch die Herausbildung einer allgemeinen Lernfähigkeit aus. Wer das Lernen gelernt hat, bringt eine wichtige Fähigkeit für das Erlernen von Berufen oder dem Studium auch komplexer Fächer mit. Nicht ohne Grund hat die Europäische Union dem lebenslangen Lernen eine besonders hohe Bedeutung ausgesprochen. Lebenslanges Lernen ist für die Bewältigung der Herausforderungen in einer globalisierten Welt unerlässlich. Sie anzunehmen und Probleme flexibel lösen zu können: dazu soll Lernen in der Schule zumindest propädeutisch befähigen.